· 

Portugal 2020

Zurück in Leipzig

Nicht nur das Womo muss entstaubt und gesäubert werden. sondern die Seele ebenfalls.

 

 

Am 21.11.19 auf der Touring & Caravaning Messe in Leipzig am Stand von Concorde.

 

Der Centurion für schlappe 500.000,- Euro.

 

Interessant mal live zu sehen, was alles machbar ist - aber kein Sehnsuchtsobjekt für uns.

Dies schon eher !

 

Morgen besucht uns meine Tochter zum ersten Mal an unserem neuen Wohnort in Leipzig.

 

Kaum zu glauben, dass dieser kleiner Wurm jetzt Auto fahren kann (und vieles mehr) und selbst schon 2-fache Mutter ist.

 

Denke, darauf darf man ein bißchen stolz sein.

Kaum zwei Wochen aus Portugal zurück, kribbelt es schon wieder in Händen und Füßen. Wohin geht es 2020 ? Literatur wird gewälzt, Youtube-Videos angeschaut und überlegt, welche Optimierungsmaßnahmen am Womo noch notwendig und sinnvoll sind.

 

Denke über eine Erweiterung der Lithiumkapazitäten und des Solarertrages nach. Außerdem werde ich erforschen, inwieweit ich die Frischwasser- und Grauwassertanks noch ausbauen kann. Nervig ist der jährliche TÜV-Check, der bei uns wieder im März ansteht, einschließlich Gasprüfung und natürlich der anderen, üblichen Servicearbeiten (Öl- und Filterwechsel, etc.). Eine Grundreinigung des Womos steht auch noch aus ... Last but not least - eine vernünftige DAB-Antenne muss aufs Dach und die serienmäßig verbauten Ducatolautsprecher werde ich ersetzen. 

 


Es kommt mal wieder anders

Am 24. Februar 2020 erneuter Besuch der Firma Falk Leonardt in Lugau. Nachdem im Januar das Womo dort eine WLAN und DAB+ Antenne erhalten hatte und die Hauptscheinwerfer auf LED umgerüstet wurden, funktionierte auf einmal das Hauptdisplay nicht mehr. Kein Licht, keine Heizung - einfach nur eine Katastrophe. Was war die Fehlerquelle ? Ein sofort zugesandtes Display eingebaut - null, sero, niente, nada !!!

 

Also erneut ins Erzgebirge, ist ja ganz schön da. Die Ursache aller bisher aufgetretenen Störungen war für den "Meister" nur ein Blick auf die 2017 verbaute 200 AH LifeYPo-Batterie und deren Verkabelung. Hier ein Bild, wie es vorher aussah:

Wild - oder ???

Falk Leonardt führte dann mehrere Telefonate mit der Firma, die seinerzeit die Lithium eingebaut hatte. Diese hatte eine parallele Plusleitung von der Starter- zur Aufbaubatterie verlegt, um den von Carthago verbauten Elektroblock zu umgehen. Angeblich, um die werksseitige Gewährleistung nicht zu gefährden. Im Ergebnis konnte der neu verbaute Ladebooster weder die neue Aufbaubatterie, noch die Lithium vernünftig laden. 

 

Also alles raus und neu verkabeln. 

 

Seitdem läuft alles so wie es soll - meine Erleichterung war grenzenlos und hält bis heute an.


Auf nach Portugal - Start in Leipzig am 1. März 2020 um 11:30 Uhr

Nach einer entspannten Fahrt Ankunft in Marburg gegen 16 Uhr. Abendessen und Übernachtung am Ausflugsziel fast aller Marburger - der Dammühle. Wunderbarer Einstand der Reise.

 

Am nächsten Morgen ging es in das 18 km entfernte Amöneburg, wo mein "Schrauber" Daniel schon alles für den TÜV-Termin vorbereitet hatte. Um 13 Uhr klebte die Plakette am Nummernschilder und sämtliche wesentliche Filter waren auch gewechselt. Ölstand kontrolliert und weiter ging es zu GÜMA-CARAVAN nach Mannheim, denn die Dachaufbauten und das restliche Wohnmobil lechzten nach einer gründlichen Reinigung .

 

Nicht ganz unwesentlich - ich reise zur Zeit nicht alleine, denn ich werde von einer jungen Biologiestudentin aus Leipzig begleitet. Kennengelernt habe wir uns Ende 2019 im "Wilden Heinz". 

 

Sie wird von Santiago de Cacem startend ihren Pilgerreise, ausgestattet mit Rucksack und kleinem Zelt Richtung Algarve (Sagres) beginnen, dann noch mal zu mir stoßen, um dann Anfang April wieder fleißig ihr Studium aufzunehmen.

Unser erster Abend in Marburg.


2. März 2020

Unsere Route führte uns von Mannheim weiter über die A6 an Saarbrücken vorbei bis zum Übernachtungsplatz in Pont-a-Mousson.


3. März 2020

Magdalena, meine neue Beifahrerin auf Zeit verbrachte die Fahrt meistens schlafend in leichter Rücklage und tiefenentspannt.


4. März 2020

Unser verlässlichster Begleiter bisher war der Regen. Jetzt kam auch noch heftiger Wind hinzu. Reichlich erschöpft erreichten wir gegen 16 Uhr Montrichard Val de Cher. Der SP war ein ehemaliger Campingplatz. Klein aber fein. Trotz der widrigen äußeren Umstände ließ es sich Magdalena nicht nehmen, gemeinsam mit Amy einen Erkundungsgang in das hübsche Städtchen zu unternehmen.

 

Säter wiegte uns der Regen in den Schlaf.


5. März 2020

Bei Regen (was sonst) ging es heute auf den SP in Anglet bei Bayonne. Bei unserer Ankunft riss die Wolkendecke für eine kurze Zeit auf und wir nutzen diese zu einem Strandspaziergang an der Atlantikküste. Das Meer demonstrierte unverhohlen seine Kraft, aber auch Schönheit. Gegen Einbruch der Dunkelheit fing es wieder an zu regnen und der Wind begann mächtig an unserem Wohnmobil zu rütteln. Die Nacht sollte sehr unruhig werden.


6. März 2020

Gegen 9 Uhr starteten wir Richtung Spanien.

Zwischen Biarritz und Donostia-San Sebastian erwischte uns auf der Autobahn ein Unwetter vom Feinsten. Binnen weniger Sekunden verwandelte sich die Fahrbahn in eine Eisbahn. Nachdem dann noch ein Sportwagen unmittelbar vor uns von der linken Fahrspur auf die rechte schleuderte um dann in Leitplanke zu krachen beschlossen wir die Fahrt zu unterbrechen. Während ein LKW nach dem anderen an uns vorbeirauschte (nur die darten kommen in den Garten - und wir wollten nicht dazu gehören) schlichen wir auf den nächsten Rastplatz. Nach ca. 2 Stunden konnten wir dann die Fahrt fortsetzen. Es hatte zwar aufgehört zu schütten, aber der Wind vom Atlantik kommend war so heftig, dass ich bei unserer Ankunft am Abend in der Nähe von Valladolit Muskelkater in den Armen verspürte.

 

Zur Belohnung gab es heute Abend Goulasch mit Kartoffelklößen und Rotkraut und dazu eine Flasche Rotwein der Marke "Monika" aus Sardinien.


7. März 2020

Endlich mal kein Wind und Regen mehr. Wesentlich entspannter fuhren wir unseren nächsten Stellplatz in Evora an. 


8. März 2020

Erstes Etappenziel Santiago do Cacem. Startpunkt für Magdalena für ihre Wanderung die Westküste Portugals herunter bis Sagres, wo ich sie hoffentlich wohlbehalten in Empfang nehmen kann. Zeit für ein erstes Selfie ...

Danach ging es für mich alleine weiter zum "Figueira Autocaravana Park"

 

Noch am Abend wurde Wiedersehen mit liebgewonnenen Menschen gefeiert.


Freitag, den 13. überlebt und dann das ...

14.03.2020

Schon gestern Abend kamen erste Gerüchte auf, Kneipen und Restaurants sollen geschlossen werden. Bei Lidl in Vila do Bispo kamen die Mitarbeiter kaum mehr nach, die Regale wieder aufzufühlen, alle MitarbeiterInnen trugen Handschuhe und die ersten Hippies tätigten ihre Einkäufe mit Mundschutz. Auch der Corona-Check (Begrüßung mit dem Ellbogen) hält Einzug in Portugal. 

 

In weiser Voraussicht genoß ich gestern noch meine hoffentlich nicht letzte Seezunge im Restaurante O Saphino in Figueira.

 

Auf dem SP stellt sich langsam eine dörfliche und intime Atmosphäre ein. Gegen Mittag wurde dieser geschlossen. Neuaufnahmen bis auf weiteres nicht mehr möglich. 

Covid-19 und fast nichts geht mehr

Samstag hatte das Restaurant O'Saphio in Figueira überraschend noch geöffnet. Also nichts wie hin und das dortige lgendäre "Pirri Pirri" bestellt.

Das dies mein letzter Restaurantbesuch auf meiner 3-monatig geplanten Tour sein sollte, wurde mir am nächsten morgen schon klar.

SP Figueira Caravan Park schließt die Pforten ...

 

... für Neuankömmlinge. Alle Bars und Restaurants machen ebenfalls dicht. Es folgen teilweise schon nervenaufreibende Stunden, in denen alle versuchen an Infos heranzukommen. Wie oft in solchen Situationen kursieren natürlich auch die wildesten Gerüchte. Meine Pilgerin Magdalena ruhte sich derweil auf dem Campingplatz in Zambujeiro do Mar an der Westküste Portugals von den ersten Strapazen ihrer Pilgerreise aus.

Sie berichtete von Blasen an beiden Füßen, aber auch davon, nicht mehr allein zu sein. Seit 2 Tagen wiche ihr ein junger Welpe nicht mehr von der Seite.

 

Ich beschloss sie zu besuchen. Dieser Entschluß sollte Folgen haben.

Montag, 16.03.2020

 

Ankunft auf dem CP in Zambujeiro do Mar gegen 16 Uhr. Die Fahrt dahin durch das wunderbare Alentejo war einerseits wunderschön, anderseits aber schon mit mulmigen Gefühlen verbunden. Der Autoverkehr war schon nicht mehr nennenswert, vor allem aber die fast menschenleeren Ortsdurchfahrten verstärkten die aufkommende Unsicherheit über das, was da noch kommen mochte.

 

In Alcacer beim Lidl noch einmal die Vorräte aufgestockt.

 

Auf dem CP zunächst überschwängliche Begrüßung durch Magdalena und ihrem neuen Hund (provisorischer Name: Stinkerle)

 

Nachdem ich Platz bezogen hatte, kam eine gute alte Freundin zu Besuch und zu dritt genossen wir die Sonne und ein Fläschchen (oder waren es mehr? ;-)) Vino Douro Vila Real.

 

Später stand der Entschluss fest, erstmal hier zu bleiben.

                                               Magdalena und ihr "Stinkerle" im Womo

Dienstag, 17.03.2020

 

Die Nachrichtenlage am nächsten Morgen veranlasste mich, meinen am Abend zuvor gefassten Entschluß zu bleiben, umzuwerfen. Auf nach Hause hieß jetzt die Devise. Leider ließ sich Magdalena nicht überreden, die Fahrt mit anzutreten. Ich war im Begriff zu fahren, da strebte ein Wohnmobil mit Marburger Kennzeichen ebenfalls dem Ausgang zu.

 

Die Welt ist klein - wer saß drin? Ein alter Freund aus Marburger Zeiten nebst Ehegattin. Wir beschloßen gemeinsam zu fahren (nicht im Konvoi) und uns abends auf dem Stellplatz in Caceres in Spanien zu treffen


Nach ca. 370 km überquerte ich kurz hinter Elvas die Grenze und wähnte mich schon in Spanien. Dann plötzlich Verengung der Fahrbahn auf eine Spur. Der Grund offenbarte sich wenige Augenblicke später. Strassensperre der Guardia Civil. Schwerbewaffnete kontrollierten die Fahrzeuge. Die meisten davon, so auch ich, wurden nach Portugal zurückgeschickt. Offizielle Begründung war, ein Grenzübertritt sei ab sofort zunächst für die nächsten 15 Tage nicht mehr möglich. Auf der Tankrastanlage in Elvas hatten sich bereits geschätzte 150 Wohnmobile versammelt, so auch meine Marburger Freunde.

 

Kurze Beratschlagung ergab, dass wohl die meisten es dennoch am nächsten Tage erneut probieren wollten. Eine Rückkehr auf meinen alten SP in Figueira konnte ich nach einem kurzen Telefonat knicken. Blieb also nur der CP in Zambujeiro do Mar. Also die gesamte Strecke zurück. Gegen 20 Uhr erreichte ich den Campingplatz erschöpft, frustriert und ratlos, aber auch in großer Dankbarkeit dem Betreiber des CP gegenüber, mich erneut aufzunehmen.


Mittwoch, 18.03.2020

 

Im Nachhinein bin ich froh, mich am nächsten morgen auf die Suche nach einem schöneren Standplatz begeben zu haben. Dort traf ich auf mehrere Besatzungen deutscher Wohnmobile, die sich im regen Austausch darüber befanden, was in der augenblicklichen Situation die klügste Entscheidung sein könnte. Ein weiterer Wohnmobilist kam dazu und erzählte, er habe gerade telefonisch vom Konsulat in Lagos erfahren, die Grenzen seien wieder geöffnet worden. Ich sofort zu Magdalena und ihr die neue Lage geschildert. Eine kluge, junge Frau. Sie hat nicht wirklich lange überlegen müssen und sich dann entschlossen, doch die Heimreise mit anzutreten. Große Erleichterung bei mir !

 

Der Grenzübertritt von Portugal nach Spanien gestaltete sich heute einfach. Die Portugiesen winkten uns freundlich durch und die spanischen Grenzer, ebenso freundlich, ließen uns ein Dokument unterzeichnen und dann ebenfalls passieren.


Unsere Stimmung stieg und wir erreichten über die EX 100 gegen 16 Uhr Càceres. Erwartungsgemäß war der dortige, sehr zentrumsnahe SP bereits geschlossen. 100 m oberhalb fanden wir einen geeigneten öffentlichen Parkplatz, der sich nach uns schnell mit weiteren Wohnmobilen füllte.


Was folgte war ein Ritt durch Nordspanien bis Bayonne, wo wir einen guten Übernachtungsplatz auf einem "Carrefour-Parkplatz" fanden. Abends haben wir hungrig den letzten Vorrat an Goulasch, Kartoffeln und Rotkohl natürlich nicht verschlungen, sondern mit Haltung und Würde genossen.

 

Am frühen Nachmittag des 20. März haben wir dann den "Aire de Camping Cars" in Prèmilhat bei Montlucon angesteuert. Erleichterung machte sich breit, denn er war geöffnet, so daß einer V/E nichts im Wege stand. Wunderschöner SP für 8 Mobile mit Stromanschluss. Für uns gestaltete sich der Aufenthalt dort direkt an einem kleinen See kostenfrei. 


Samstag, 21.03.2020

 

Über fast leere Autobahnen ging es Richtung deutscher Grenze. Eine Strecke eigentlich, wo es viele schöne Regionen, Städte und kleine Ortschaften gibt, die allemal einen Abstecher wert wären und eine wie jetzt durchgeführte Reise nicht verdient haben. Gerade die Saone et Loire Region und später das Jura sind unglaublich schön und facettenreich und bieten zu normalen Zeiten außerdem lukulische Genüsse der Extraklasse an. Für uns musste der Vorrat an Bord genügen.

Grenze Frankreich / Deutschland erreicht. Kurze Kontrolle und wir waren zurück in "Good Old Germany".

 

In Freiburg am SP in der Bissierstr. angelangt die nächste Enttäuschung. Aufnahme selbst nur für eine Nacht nicht mehr möglich. 

 

Dank "Amumot" erinnerte ich mich an seinen Heimat SP und so fuhren wir weiter bis Emmendingen. Dieser war offiziell zwar auch geschlossen, aber man konnte dort dennoch parken, da die Einfahrt nicht verschlossen war, sondern nur Hinweise dazu aufforderten, so schnell wie möglich den Platz zu verlassen. 

 

Nach knapp 600 km und einer sofort geöffneten Flasche Wein, wollte ich die Polizeibeamten sehen, die mich gegen 17 Uhr noch hätten auffordern wollen, meine Fahrt unverzüglich fortzusetzen. Wir blieben unbehelligt.

Sonntag, 22.03.2020

 

Gegen 10.30 konnte ich einem überglücklichen Vater seine Magdalena in Schwäbisch-Hall übergeben und setzte dann meine Fahrt nach Leipzig fort, wo ich gegen 15:30 Uhr eintraf.


FAZIT

Am 1. März 2020 in Leipzig gestartet, am 22.3. dort wieder gelandet und 6850 km mehr auf dem Tacho.

 

Aber auch: Alte Freunde und Freundinnen wieder getroffen, neue Bekanntschaften geknüpft, den Frühling in Portugal, wenn auch nur für wenige Tage genießen dürfen, vor allem aber vielen Menschen begegnet, denen es schlechter als mir geht (und mir geht es gut) und die dennoch einen Optimismus versprüht haben, der ansteckt, motiviert und Hoffnung macht. Hoffnung vor allem darauf, dass diese alle Menschen betreffende Krise den Blick frei macht, auf das was wirklich wichtig ist: Frieden, Toleranz, Empathie und Liebe.


P.S.

 

Danke an meine Frau Carola dafür, dass ich meine Träume umsetzen darf und Danke an Magdalena für unsere wunderbare Begegnung. Du bist uns sehr ans Herz gewachsen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Magdalena (Dienstag, 10 März 2020 19:20)

    Jetzt habe ich mir doch die Zeit nehmen müssen, den Blog anzuschauen- lohnend und mit einem dicken Grinsen im Gesicht! Ein wundervoller Auftakt, auf ein baldiges Wiedersehen liebster Charly und Amy. Und denk dran, immer genug Wasser trinken!

  • #2

    Claus (Sonntag, 02 August 2020 12:38)

    Sehr schön geschrieben.
    Uns ging es sehr ähnlich.
    Waren auf einem Campingplatz in Lagos als alles dicht gemacht wurde.
    Das schlimmste war die Unsicherheit und die sich überschlagenden Meldungen und Beschlüsse.
    Sind dann am 22.3. auch los gefahren.
    Fahrt war schon ziemlich gespenstisch und auch bedrückend.
    Aber auch ohne Probleme.
    Hoffen nun das alle bald Mal wieder normal wird......��
    Grüße Claus